31.03.2023

„Wir sind doch keine Es­sens­mis­sio­na­re.“

Warum fri­sche sai­so­na­le Küche in die Kan­ti­nen ein­zieht und die Cur­ry­wurst trotz­dem bleibt, weiß Goran Jamuljak-​Jacob, Ge­schäfts­füh­rer der LBBW Gas­tro Event GmbH.

Personen, die in der Cafeteria sitzen
Personen, die in der Cafeteria sitzen

Bis zu 70 Pro­zent der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der LBBW gehen mit­tags in die Be­triebs­re­stau­rants an den ein­zel­nen Stand­or­ten. Of­fen­bar tref­fen Sie den Ge­schmack Ihrer Gäste ganz gut, Herr Jamuljak-​Jacob. Än­dern sich deren Vor­lie­ben?

Goran Jamuljak-​Jacob: Wir stel­len in den Be­triebs­re­stau­rants einen deut­li­chen Trend­wech­sel fest. Die Men­schen, ge­ra­de die jün­ge­ren, be­schäf­ti­gen sich in­ten­siv mit Nah­rungs­mit­teln, deren Her­kunft und Er­zeu­gung und haben wirk­lich Ah­nung vom Essen. Zum einen, weil In­to­le­ran­zen etwa bei Lak­to­se oder Glu­ten zu­ge­nom­men haben. Zum zwei­ten gibt es einen kla­ren Trend für eine ve­ge­ta­risch, pflanz­lich ba­sier­te Er­näh­rung bei den immer häu­fi­ger an­zu­tref­fen­den Fle­xi­ta­ri­ern.

Was sind Fle­xi­ta­ri­er?

Jamuljak-​Jacob: Das sind Men­schen, die öfter ve­ge­ta­risch oder vegan essen, aber wei­ter­hin auch Fleisch – al­ler­dings nicht mehr in der Häu­fig­keit und den Men­gen wie vor fünf oder sechs Jah­ren. Wenn ich das Ess­ver­hal­ten un­se­rer Gäste be­trach­te, sind heute statt eines 250-​Gramm-Steaks eher 120 bis 130 Gramm ge­fragt. Aber das muss dann wirk­lich gutes Fleisch sein. Und es muss nach­hal­tig sein, etwa indem re­gio­na­le Pro­duk­te ver­wen­det wer­den. Dafür sind die Gäste auch be­reit, ent­spre­chend mehr zu zah­len.

Wie er­freu­en Sie die Gäste, die sich nicht zu es­sens­be­wuss­ten Con­nais­seu­ren ent­wi­ckeln wol­len?

Jamuljak-​Jacob: Unser Grund­kon­zept ist eine fri­sche Küche mit über­wie­gend re­gio­na­len und sai­so­na­len Pro­duk­ten, bei der sich jeder sei­nen Tel­ler mög­lichst in­di­vi­du­ell zu­sam­men­stel­len kann – zum Bei­spiel beim Salat, Ge­mü­se und beim Obst. Wer will, kann ganz in­di­vi­du­ell ein­fach die Sät­ti­gungs­bei­la­ge weg­las­sen und nur das wäh­len, was auch ver­zehrt wer­den soll. Wir haben seit Jah­ren jeden Tag ein ve­ge­ta­ri­sches Ge­richt im An­ge­bot, manch­mal sogar zwei oder drei. Zu­sätz­lich ma­chen wir Ak­ti­ons­wo­chen mit Ge­rich­ten aus der asia­ti­schen oder ita­lie­ni­schen Küche, nach­hal­ti­ge Wo­chen mit ve­ge­ta­risch/ve­ga­nen Spei­sen, um Viel­falt zu bie­ten sowie Trends auf­zu­grei­fen und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Au­ßer­dem be­rei­ten wir un­se­re Spei­sen char­gen­wei­se zu, damit sie je­der­zeit frisch sind. An der Ak­ti­ons­the­ke wer­den die Ge­rich­te teil­wei­se sogar à la mi­nu­te pro­du­ziert. Das er­for­dert viel Or­ga­ni­sa­ti­on und gute Lo­gis­tik. Aber so kön­nen wir un­se­ren Gäs­ten ein Höchst­maß an Qua­li­tät und Fri­sche bie­ten.

… aber keine Cur­ry­wurst mehr?

Jamuljak-​Jacob: Doch! Warum denn nicht? Wir sind doch keine Es­sens­mis­sio­na­re, die den Gäs­ten einen Er­näh­rungs­stil auf­zwin­gen. Bei uns soll jeder frei ent­schei­den, was er essen will. Wir bie­ten daher zum Bei­spiel wei­ter­hin Pom­mes als Bei­la­ge an und auch Schnit­zel und Cur­ry­wurst ste­hen re­gel­mä­ßig auf dem Spei­se­plan.

Ist das Fleisch denn nach­hal­tig?

Jamuljak-​Jacob: Ja, in un­se­ren bei­den bio­zer­ti­fi­zier­ten Be­triebs­re­stau­rants am Haupt­bahn­hof und am Pa­ri­ser Platz in Stutt­gart stammt das ein­ge­setz­te Fleisch von aus­ge­wähl­ten und zer­ti­fi­zier­ten Metz­ge­rei­en aus der nä­he­ren Um­ge­bung. Das müs­sen wir heute ein­fach an­bie­ten, denn das In­ter­es­se daran ist sehr groß. Wir wer­den immer wie­der von un­se­ren Gäs­ten da­nach ge­fragt.

Goran Jamuljak-Jacob, Geschäftsführer der LBBW Gastro Event GmbH

Bei den Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten ist ein deut­li­cher Trend­wech­sel fest­zu­stel­len. Ge­fragt ist eine fri­sche, sai­so­na­le Küche, die auf Nach­hal­tig­keit setzt.

Goran Jamuljak-​Jacob, Ge­schäfts­füh­rer der LBBW Gas­tro Event GmbH

Wie be­kom­men Sie über­haupt mit, was Ihre Gäste essen wol­len?

Jamuljak-​Jacob: Der di­rek­te und beste Aus­tausch fin­det immer noch an der Theke statt. Zu­sätz­lich gehen un­se­re Köche auch immer wie­der di­rekt an die Ti­sche und un­ter­hal­ten sich mit den Gäs­ten. Und es gibt ein fes­tes Tool, um di­gi­tal Feed­back zu geben. Vor der Pan­de­mie haben wir auch Ver­an­stal­tun­gen ge­macht, bei denen wir klei­ne­ren Grup­pen Ein­blick hin­ter die Ku­lis­sen ge­ge­ben haben oder wir haben ge­mein­sam mit einer klei­nen An­zahl an Gäs­ten Maul­ta­schen ge­macht. Kaum zu glau­ben üb­ri­gens, dass wir selbst bei un­se­rer Grö­ßen­ord­nung un­se­re Maultau­schen immer noch selbst ma­chen.

Kön­nen Sie sich vor­stel­len, Ihren Gäs­ten so etwas wie In­sek­ten oder künst­lich ge­züch­te­tes Fleisch zu­min­dest mal test­wei­se an­zu­bie­ten?

Jamuljak-​Jacob: Ge­ne­rell aus­schlie­ßen will ich es nicht, würde das aber erst ein­mal selbst pro­bie­ren und dann ent­schei­den. Nur wenn wir selbst über­zeugt sind, kön­nen wir auch den Tisch­gast über­zeu­gen. Es wäre ja nicht be­son­ders nach­hal­tig, Spei­sen zu pro­du­zie­ren, die weg­ge­wor­fen wer­den müs­sen, weil sie nie­mand ab­nimmt. Wir ach­ten sehr dar­auf, Res­sour­cen zu spa­ren und den Ma­te­ri­al­ein­satz zu op­ti­mie­ren, um so wenig Ab­fall wie mög­lich zu pro­du­zie­ren.

Herr Jamuljak-​Jacob, was den­ken Sie: Wer­den Spätz­le oder Schnit­zel mit Pom­mes in fünf Jah­ren immer noch auf dem Spei­se­plan Ihrer Kan­ti­nen ste­hen?

Jamuljak-​Jacob: Diese Klas­si­ker wer­den blei­ben, da bin ich mir si­cher. Ein gutes Schnit­zel oder die Cur­ry­wurst – das ist ja auch gut für die Seele, zumal, wenn die Qua­li­tät stimmt. Und Spätz­le be­zie­hungs­wei­se Maul­ta­schen oder den be­lieb­ten Bur­ger ma­chen wir in­zwi­schen auch in einer ve­ge­ta­ri­schen oder sogar ve­ga­nen Va­ri­an­te. Ich glau­be, wenn man diese dem Schwa­ben ganz weg­neh­men würde – dann wird er böse (lacht).

Goran Jamuljak-Jacob, Geschäftsführer der LBBW Gastro Event GmbH

Goran Jamuljak-Jacob ist Geschäftsführer der LBBW Gastro Event GmbH. Die 131 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 100-prozentigen Tochter der LBBW bewirtschaften die Betriebsrestaurants und Cafeterien an den verschiedenen Standorten der Bank. Zusätzlich übernimmt das Unternehmen das Catering bei Events. Vor der Pandemie wurden in den Betriebsrestaurants über alle Standorte hinweg täglich mehr als 6.000 Essen ausgegeben, aktuell sind es rund 3.000 pro Tag. Die beiden Betriebsrestaurants am Hauptbahnhof und am Pariser Platz in Stuttgart sind seit 2008 biozertifiziert.

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Goran Jamuljak-Jacob, Geschäftsführer der LBBW Gastro Event GmbH

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