Unsere Einschätzung zur Zoll-Ankündigung von Trump
Die heutige Ankündigung sogenannter reziproker Zölle seitens Donald Trump bedeutet für chinesische Waren eine deutliche Erhöhung der Zollsätze. Zu den im ersten Quartal verhängten 20 %-Zusatzzoll kommen nun weitere 34 % Zoll hinzu. In Summe steigt damit der zusätzlich erhobene Einfuhrzoll auf 54 % und kommt damit in die Nähe der von Trump im Wahlkampf angedrohten 60 %. Die jetzige Zollanhebung kann dabei nur bedingt als „reziprok“ bezeichnet werden. Laut Weißem Haus wurden bei der Berechnung nämlich neben tarifären auch nicht-tarifäre Handelsbarrieren sowie der Verdacht auf Währungsmanipulation miteinbezogen. Wie der Zollsatz genau zustande kommt, bleibt vorerst unklar. In Kombination mit der zeitgleich verkündeten Abschaffung der Zollbefreiung für chinesische Warensendungen von geringem Wert („de minimis“) ab Anfang Mai werden die Exporte Chinas in die USA in diesem Jahr deutlich zurückgehen. Peking wird wohl keine andere Wahl haben, als in Kürze mit umfangreichen Gegenmaßnahmen zu reagieren. Angesichts der jetzigen Eskalation erscheint eine Einigung im Handelsstreit auf kurze Sicht äußerst unwahrscheinlich. Ob eine Annäherung in anderen Konfliktfeldern (Stichwort TikTok) die Abwärtsspirale stoppen kann, bleibt abzuwarten. Derzeit ist für die kommenden Monate aber eher von einer weiteren Verschlechterung der bilateralen Beziehungen auszugehen.